Die Vorbild Frau

Wir schreiben den 7 Februar. Ich hatte heute Nacht einen ganz besonderen Traum. Mit einem wirklich unerwartetem Ende, das mich selbst im Traum noch lange beschäftigt hat. Doch was mich daraufhin mindestens genauso verblüfft hat war, dass eine Stimme im Traum ganz deutlich zu mir sagte: Schreib alles auf. Behalte diesen Traum nicht für dich. Er ist für die Frauen dieser Welt. Schreib ihn auf und veröffentliche ihn.

 

 

Es ist keine Seltenheit, dass ich träume. Doch es ist selten, dass ich mich so deutlich an einen Traum erinnere, noch seltener, dass dieser über den Tag präsent bleibt. Dieser hier ist es. Er ist so lebendig in mir, dass ich unwillkürlich an eine Frage denken muss, die mir meine Tochter stellte, als sie noch ein kleines Mädchen war: Mama, woher weißt du eigentlich, dass wir am Tage leben und in der Nacht träumen und nicht umgekehrt ?

Ja, woher eigentlich ???

Wirklich motiviert bin ich nicht. Habe heute ganz viele andere Dinge zu tun, dabei geht es mir nicht leicht von der Hand. Es ist ein Tag, an dem ich zu nichts Lust habe, schon gar nicht die Muße zum Schreiben. Doch die Stimme aus meinem Traum ermahnt mich in immer kürzeren Abständen: Setzt dich hin und schreibe alles auf. „Ich kann nicht mal klar denken“  protestiere ich. „Du brauchst dein Denken dafür nicht“ antwortet die Stimme. „Schreib einfach“.

Also gut.

Wie so oft im Traum erschien das Geschehen sehr lang und ausführlich. Doch in Wirklichkeit war es sicher nur ein Wimpernschlag der Zeit. Ganz so wie im wahren Leben. Wir erleben etwas, das kein Ende zu nehmen scheint. Es ist voller Ereignisse und Emotionen. Alles scheint ewig anzudauern. Bis zu dem Moment, wenn es vorbei ist. Dann ist es wie ein ferner Traum. Und das nächste Erlebnis legt sich wie eine Patina darauf.

Im Traum geht es um eine Frau, die als die personifizierte, echte Frau gilt. Zudem strahlt sie viel Wärme aus, weshalb sie auf der ganzen Welt geliebt und bewundert wird. Sie ist ganz so wie eine Frau zu sein hat,wenn sie ganz und gar in ihrer Mitte und in ihrem Frau Sein ist.

Menschenmassen kommen zusammen und warten sehnsüchtig darauf sie zu sehen, denn sie ist sehr inspirierend und herzöffnend. Ich beschliesse mich der Menge anzuschließen, denn auch ich möchte wissen, wie man denn ist, wenn man eine echte Frau ist. Wie sieht sie aus, wie benimmt sie sich, was hat sie an, wie wirkt sie auf die Menschen, wie fühlt es sich an in ihrer Gegenwart zu sein, wie weit reicht die Liebe, die aus ihrem Herzen strahlt. Vielleicht kann ich mir etwas von ihr abgucken, etwas lernen und es dann in meinem Leben integrieren.

Ich bin neugierig, denn ich habe noch nie eine echte Frau erlebt. Eine, die ich nachahmen möchte. Eine die mir ein Vorbild ist. Da diese jedoch nicht nur beliebt zu sein, sondern auch eine positive Wirkung auf die Menschen zu haben scheint, möchte ich sie auf jeden Fall auch sehen. Ich will sie ganz genau beobachten und studieren.

Dafür nehme ich eine lange Reise in Kauf, denn gerade ist sie in einem fernen Land. Dort ist es sehr warm und es hat sich bereits eine große Menschenmenge versammelt, die auf ihre Ankunft wartet. Ich versuche ein Plätzchen zu ergattern. Es ist ein Ort an einem Fluss. Es führt ein Holzsteg darüber und drum herum sind Gerüste aufgebaut, auf denen die Menschen teils sitzen, teils stehen. Riesige Trauben von Menschen. Die meisten von ihnen sind Männer. Es ist so voll, dass ich mich langsam frage, wie ich sie denn sehen soll, wenn sie auftaucht. Mit der Zeit werde ich vom Stehen müde. Es sind so unfassbar viele Menschen da und sie alle sind in freudiger Erwartung.

Ich unterhalte mich mit einigen und frage diejenigen die sie schon mal gesehen haben wie sie denn so ist. Sie erzählen mir, dass man sich in ihrer Gegenwart sehr wohl fühlt, dass sie ihnen ein großer Trost ist und dass sie so viel Liebe ausstrahlt, dass sie dadurch selbst gutmütig und sanft werden. Denn die Begegnung mit ihr ist wie ein warmer Sonnenstrahl, er geht mitten ins Herz und bewirkt Veränderungen. Eben eine echte Frau. Deshalb reisen sie ihr auch überall hin hinterher. Dabei seien es keine öffentlichen Auftritte von ihr, sie würde einfach die Welt bereisen und die Menschen mit ihrer Anwesenheit berühren und erfreuen.

Das hört sich ja wirklich großartig an, denke ich. Was für ein Glück dass ich von ihr gehört habe. Sicherlich kann ich viel von ihr lernen und mich inspirieren lassen. Ganz im Gespräch mit den Menschen vertieft habe ich dem Steg, auf dem sie erscheinen soll den Rücken gekehrt, während mein Gesprächspartner ihn im Blickfeld hat. Wir reden und reden und viele Menschen um uns herum mischen sich in das Gespräch mit ein und geben ihrerseits ihre Erlebnisse mit dieser wunderbaren Frau kund. Alle sind durchweg begeistert. Eine tolle Frau, muss man mal erlebt haben.

Doch mitten im Gespräch fängt die Menschenmasse an auseinander zu gehen. Warum geht ihr, frage ich ? Na, sie war doch schon da, hast du sie denn nicht gesehen ? Ich bin maßlos enttäuscht. Nun habe ich mir exra so viel Mühe gemacht und habe sie durch das viele Reden verpasst. Wie unaufmerksam von mir. Wie konnte mir das nur passeren ?

Doch ich gebe nicht auf. Ich reise zu dem nächsten Ort wo sie erwartet wird. Dieses mal ist es ein Land in Lateinamerika. Und wieder begegne ich Menschen, die voller Begeisterung von ihr berichten. Männer und Frauen, denen sie ein Vorbild ist. Alle sind sich einig. So ein warmherziges Wesen, eine echte Vorbild Frau.

Ich lerne ganz viele neue Menschen kennen, höre unzählige Erzählungen, doch nie begegne ich ihr selbst. Was mir auffällt ist, dass sich niemand über ihr Aussehen oder ihr Alter äußert, sosehr ich auch nachfrage. Alle erzählen sie mir, wie sie sich in ihrer Gegenwart fühlen.

Ich bin fest entschlossen ihr zu begegnen. So folge ich unablässig ihren Spuren und reise ihr hinterher. Doch immer wenn ich irgendwo ankomme, ist sie gerade wieder weg. Ich fühle, wie ich langsam in den Selbstvorwurf gehe. Warum gelingt es mir nicht, warum schaffe ich es nicht ? Was mache ich falsch, dass ich sie immer knapp verpasse ? Andere Menschen schaffen es doch sie zu sehen, warum ich nicht ?

So reise und reise ich, bis ich eines Tages ganz ermattet und frustriert bin. Es ist wieder an einem Tag, an dem alle Menschen sie gesehen haben, alle – außer mir. Es ist abends und es ist bereits dunkel. Ich begegne glücklichen Menschen, glücklich, weil sie SIE gesehen haben. Und ich bin schon sehr müde, müde vor Enttäuschungen, müde vom Suchen.

Ich sehe keine andere Wahl mehr, als aufzugeben. Es hat ja keinen Sinn. Und ich drehe um. Drehe den Menschen, die etwas erlebt haben, was mir offensichtlich nicht zu steht, den Rücken zu und gehe. Ich gebe auf. Es ist mir wohl nicht vergönnt sie zu sehen.

In diesem Moment stellt sich eine Gestalt vor mir. Ich kann nicht genau erkennen, ob es ein Mann oder eine Frau ist. Was ich sehe ist, dass ihr Körper ist nicht ganz so dicht wie der bei uns Menschen ist und aus reinem Mondlicht zu bestehen scheint. Sie schaut mich kurz an und sagt direkt in mein Herz hinein:

Du kannst die Vorbildfrau nicht finden, denn sie ist in dir.

So wie in jeder einzelnen Frau dieser Welt.

Geh deinen Weg und lebe dich.

Noch bevor ich mich von der Überraschung erholen kann, ist die Figur auch schon wieder verschwunden. Doch ihre Stimme hallt noch lange in mir nach. Sie wiederholt mehrfach:

Für die Frauen dieser Welt ♥  Schreib ♥

 

2 Gedanken zu “Die Vorbild Frau

  1. Hatice Demirtas

    Meine innere Frau hat dich, liebe Ekaterina, ganz offensichtlich auf ihre Weise beauftragt meine
    Augen, meine Ohren und mein Herz für SIE zu öffnen. Denn als ich deine Geschichte zu lesen begann, spürte ich intuitiv, dass das eine ganz klare Botschaft für mich ist und was sie bedeutet…Meine Herzenstür hat sich augenblicklich ganz weit geöffnet und die zarte Stimme erklingt noch immer
    in meinem Herzraum:

    „Du kannst die Vorbildfrau nicht finden, denn sie ist in dir.

    So wie in jeder einzenen Frau dieser Welt.

    Geh deinen Weg und lebe dich.

    Öffne dich und erblühe – die Welt wartet auf deinen Duft.“

    Alle Vorbild Frauen dieser Welt haben dich wohl dazu auserkoren, um uns SELBST und somit diesem Planeten all die Liebe, die Wertschätzung und Hingabe zu geben, die schon so lange und so schmerzlich fehlt…Danke Schwester, dass wir gemeinsam nach Hause zurückkehren dürfen…..

    • Danke für deine Worte, die für mich wie ein Geschenk sind. Ich freue mich so, dass du dich hast berühren lassen und mitgegangen bist. Wie schön, dass deine Herzenspforte nun offen ist und du deinen Duft und deine Farben in die Welt verströmst.

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