Liebesbrief an meinen Verstand

 

 

Lieber Verstand,

ich danke dir, dass du mir all die Jahre so treu gedient hast. Ich verstehe, dass du nicht immer nachvollziehen konntest, was ich so im Leben unternommen habe. Ich verstehe, dass dir das Angst gemacht hat und dass du Sorge um mich hattest. Mein tapferer treuer Held !!!

Ich bin mir bewusst, dass du auch jetzt nicht verstehen wirst was ich vorhabe. Ich habe mich entschieden mich ganz und gar dem göttlichen Willen zu übergeben. Ich habe mich entschieden nicht mehr alles im Voraus zu denken, zu planen und zu kontrollieren. Ich habe mich entschieden, JETZT die Erfahrung zu machen wie es ist, wenn ich mich ganz und gar dem Göttlichen Willen überlasse. Wenn ich nichts mehr will – außer mein mir zustehendes Geburtsrecht: GLÜCKLICH und in FRIEDEN sein. Ein Kind, das sich einfach nur lebt, aus dem Moment heraus, aus den Geistesblitzen heraus, die ihm die Schöpfung selbst eingibt. Ich möchte erfahren wie es ist, wenn ich mich einfach nur hingebe und vertraue. Dem Leben vertraue, meiner Seele vertraue. In Vorfreude auf die schönen Überraschungen, die auf mich warten. Das möchte ich erleben !

Ich möchte erfahren wie es ist, wenn ich dich – mein lieber Verstand – dafür verwende, wofür du ursprünglich gedacht warst. Um die täglichen Dinge des Lebens zu regeln, auf die Erfahrungen zurückzugreifen, die ich zum Leben auf der Erde benötige. Mich daran zu erinnern, dass ich einen Arzttermin mache und wie ich dabei ein Telefon bediene, um das zu tun. Um einkaufen zu gehen und mich daran zu erinnern wie ich dafür eine Treppe hinunter steige, oder den Fahrstuhl benutze. Dass ich stehen bleiben muss, wenn die Ampel auf Rot schaltet. Wie ich meine Beine, meine Augen bewege….

Jedoch nicht, um über Menschen, Situationen und Gefühle zu urteilen, oder mir immerzu Angst zu machen. Angst vor dem Leben, Angst vor der Liebe, Angst vor dem Frieden, Angst vor dem NICHT Kämpfen. Damit beschneidest du mich nur !!!

Verstehst du lieber Verstand ? Das Alte ist vorbei, die Zeit in der wir ständig auf der Hut sein mussten um nicht betrogen, verletzt oder verraten zu werden. Die Zeit in der wir uns ohnmächtig fühlen mussten, um zu überleben. Oder gar unsere Kraft verstecken mussten…Es ist VORBEI !!!

Ich habe mich entschieden jetzt neue Wege zu gehen. Meine Höchste Priorität ist es zu scheinen, in meinem Licht zu stehen und zu leuchten. Zu lieben – ALLES. Vor allem Mich, mit allem was dazu gehört. Ja, auch dich lieber Verstand. Dich und alles was du hervorzubringen vermagst. All die Monster, Bedrohungen, verletzten Inneren Kinder und andere Konzepte. Ich LIEBE LIEBE LIEBE Euch. Ihr dürft sein. NEBEN mir, als ein Teil der Erfahrung MENSCH. Diese kostbare Erfahrung in dieser noch kostbareren Zeit. Ihr dürft sein…und ihr dürft euch entspannen.

Denn ihr müsst euch nicht mehr bemühen und ihr braucht nicht mehr leiden. Ihr müsst auch keine Anstrengungen mehr unternehmen, um euch immer wieder in Erinnerung zu rufen. Nur weil ich – bisher – nicht bereit war euch anzuschauen. Weil ich Angst vor meiner eigenen Angst, vor meinen eigenen Geschöpfen hatte. Ich verstehe, dass ich euch damit weh getan habe, weil ich euch abgelehnt und von mir abgetrennt habe.

Doch von heute an überlassen wir unser Sein dem Herz, Gott und der Seele. Die ICH BIN. Das sind so wunderbare Führer, mit denen du dich verbinden kannst. Und die dir eine Menge an Arbeit abnehmen werden. Ist es nicht wundervoll ??? Du kannst dir eine Pause gönnen und brauchst nicht mehr ständig in Alarmbereitschaft sein.

Und damit tust du auch unserem wunderbaren Verbündeten – dem Körper einen Riesengefallen. Der braucht dann nicht mehr ständig Kraft dafür aufwenden, um die gereizten Nerven wieder zu beruhigen. Die Saiten auf denen du immer wieder vergangene Lieder spielst und damit vergangene Gefühle produzierst. Und dich damit traurig im Kreise drehst.

Der liebe Körper kann sich dann um das kümmern, was seine eigentliche Aufgabe ist. Ein wundervolles Gefährt durch diese spannenden Zeiten zu sein, die Schatztruhe die alles enthält, was wir jetzt benötigen beherbergen und pflegen, uns an die Erde anzubinden, die DNA erneuern. Das sind jede Menge Vorhaben. Hilf ihm dabei seinen für ihn sehr neuen Dienst zu erfüllen anstatt ihn mit alten Informationen zu belasten, die schon lange nicht mehr aktuell sind.

Ja, auch du darfst in dieser Zeit dazu lernen lieber Verstand. Verbünde dich mit dem Herzen, der Zentralsonne in unserem Universum, dem Tor in das Neue, ich bin sicher, auch du wirst deinen Spaß dabei haben. Und etwas Neues erfahren, eine neue Ebene betreten…und mit uns ALLEN zusammen das Abenteuer erleben, von dem wir immer geträumt haben.

Ich zähle auf dich lieber Verstand, zeige mir, dass ich mich auf dich verlassen kann .*KUSS*

Arte TV Hintergrundgeschichte, Bulgariens blühender Schatz

Am 31.3. 2018, 19.30 Uhr wird die Arte TV Dokumentation “Im Tal der Rosen – Bulgariens blühender Schatz” wiederholt. Die Erstaustrahlung war vor einem Jahr. Dieser Film ist für mich der beste zu diesem Thema und es hat nichts damit zu tun, dass ich ihn intensiv mit begleitet habe. Er ist sensibel, ohne kitschig, informativ ohne nüchtern, authentisch ohne dramatisch zu sein. Und ich empfehle, ihn mit guten Freunden und mit Rosenschokolade zu genießen. So einen Film konnte nur jemand machen, der offen, feinfühlig und wertschätzend ist. Und all das war das Arte Drehteam.

Der Film in der Mediathek von Arte TV

Da mich ganz viele Menschen gefragt haben, wie es überhaupt dazu kam, dass Arte sich an mich gewandt hat, wie der Film entstanden ist und was wir gemeinsam dabei erlebt haben, möchte ich heute ausführlicher darüber berichten. Ohnehin konnten nicht alle Details über die betreffenden Protagonisten im Film genannt werden. Und es war schon sehr interessant, was hinter den Kulissen geschah.Tatsächlich hat sich alles so wundersam gefügt, wie es nur geschieht, wenn es von einer höheren Warte gelenkt wird.

***

Die junge Frau am Telefon klingt ausgesprochen sympathisch und sie hat einen französischen Nachnamen. Wir wollen für die Sendereihe Wunderwelten bei Arte TV einen Film über das Tal der Rosen drehen – sagt sie – und Sie sind uns als Expertin empfohlen worden. Ich bin überrascht und erfreut zugleich. Auch wenn ich seit über 20 Jahren keinen Fernseher mehr besitze, die Dokus von Arte TV mochte ich schon immer. “Wie sind Sie auf mich gekommen” – frage ich während ich versuche mich an ihren Namen zu erinnern, der mir leider schon wieder entfallen ist. Ich merke mir Namen ohnehin kaum, dass ihrer wenn auch wohlklingendfranzösisch istmacht es mir besonders schwer.

“Die Bulgarische Botschaft hat Sie uns empfohlen” – sagt sie ganz selbstverständlich. “Können Sie sich vorstellen, uns bei unserer geplanten Dokumentation über das Tal der Rosen zu beraten und zu unterstützen?” Nun bin ich so sehr überrascht, dass es mir die Sprache verschlägt. Das ist doch unmöglich, in der Botschaft hat kein Mensch Kenntnis von meinen alljährlichen Reisen zur Rosenblüte. Bis auf eine einzige Person, der ich beiläufig davon erzählte. Und zufällig hatten sie genau diese am Telefon. Von den vielen Botschaftsmitarbeiter haben sie diese eine befragt. Jeder andere hätte ihnen diese Auskunft gar nicht geben können und die Geschichte hätte möglicherweise einen anderen Lauf genommen…und dieser Film wäre gar nichtin dieser Form entstanden. Doch, wie immer wenn es um die Botschaft der Natur geht, lenken die Naturkräfte das Geschehen mit. Und die Rose sowieso.

Und dann kam die nächste Überraschung: In dem Film soll es um Politik und Wirtschaft im Tal der Rosen gehen. Nein” – sagten mein Kopf und mein Mund nahezu gleichzeitig. So eine unglaublich wilde Natur, so eine Rosenpracht und dann soll es um Politik und Wirtschaft gehen ? Da mache ich nicht mit!” Nun war meine Gesprächspartnerin an der Reihe überrascht zu sein. “Wie nein ??? Der Film kann doch eine wunderbare Werbung für Sie und für Ihre Rosenreisen sein.”

Wie so oft, verselbständigt sich in diesem Moment der Teil in mir, der ganz eng mit der Natur in Verbindung steht, übernimmt die Führung und beginnt Wortbilder zu sprudeln. Und ich höre mich ihr von den Wundern erzählen, die mir alljährlich auf den Rosenreisen begegnen, von dem üppigen Duft, der alles in uns durchdringt und uns die Welt für eine Weile durch die rosarote Brille sehen lässt, von dem Wandel in jedem einzelnen Teilnehmer, der innerhalb weniger Tage auch äußerlich sichtbar wird, von der Symbolik der Rose und von dem Unsagbaren, das während der Reise immer präsent ist und nur mit dem Herzen fühlbar ist.

Am anderen Ende der Leitung ist andächtige Stille. So hat sie die Rose noch nie gesehen, sagt dann die Frau mit dem wohlklingenden französischen Namen. Sie wird den neuen Ansatz im Team vortragen und sich erneut bei mir melden. Als wir auflegen, frage ich mich, ob ich nicht zu weit gegangen bin und sie mit meiner Sicht total überfordert habe. Aber so ist die Rose nun mal, sie kommt gern mit Pauken und Trompeten.

Dieses Telefonat war der Anfang einer wunderbaren Zusammenarbeit, die schließlich zu diesem sehr gut recherchiertem Film geführt hat. Ebenso beginnt von da an ein reger schriftlicher und telefonischer Austausch zwischen uns. Sehr freundlich, sehr respektvoll und sehr inspirierend. Jedes mal füge ich noch eine Rosengeschichte, noch einen Hinweis, noch ein ungewöhnliches Erlebnis mehr hinzu. “Das ist wirklich sehr bemerkenswert, aber, die Vorgabe ist doch Politik und Wirtschaft” höre ich dann daraufhin.

“Ach, wissen Sie, bei Politik und Wirtschaft kann ich Ihnen nicht wirklich behilflich sein. Zum einen verstehe ich nichts davon, zum anderen: Was gibt es schon Besonderes im Tal der Rosen über Politik und Wirtschaft zu berichten? Außer dass es dort Rüstungsindustrie gibt. Welch ein Glück, dass am gleichen Ort die Rosen wachsen, damit diese Kräfte ausgeglichen werden. Dornen und Blüten – ganz Rose eben. Über Mensch und Natur könnte ich schon etwas mehr beitragen. Wissen Sie eigentlich, dass im Gebirge in Bulgarien ein Felsen steht, der nach Rosen duftet ?”

Und ich erzähle ihr davon, wie ich dieses Naturwunder vor vielen, vielen Jahren, noch lange vor meinen Rosenreisen entdeckte. Wie ich es deutlich fühlte, dass in der Natur etwas Außergewöhnliches zu finden ist, wie ich danach suchte und die Einheimischen befragte, bis es mir den Ruf der “Verrückten aus Deutschland” einbrachte. Und dann, eines Tages… begab es sich, dass ich auf einen Menschen traf, der auf Du und Du mit der Natur steht – einen Schäfer. Und dieser führte mich dann zu dem Rosenfelsen. Doch die Geschichte mit dem Rosenfelsen ist eine eigene Erzählung wert.

So ging es eine ganze Weile mit uns. Politik und Wirtschaft auf der einen – Mensch und Natur auf der anderen Seite. Ich war jedoch unbeugsam, fügte jedes mal meine Rosengeschichten an und wie ich die Natur wahrnehme. Warum ich meine Rosenmission lebe und dass für mich der Duft der Rose wie ein Liebesbrief ist, der direkt ins Herz geschrieben wird.

Während eines geführten Telefonats hörte ich meine Gesprächspartnerin am Ende einer Rosengeschichte ganz tief ausatmen. Nach einer längeren Pause sagte sie dann leise: Du hast gewonnen, Ekaterina. Wir machen eine Dokumentation zum Thema Mensch und Natur. Während in meinem Inneren goldene Perlen begannen zu hüpfen, fügte sie hinzu. “Aber wie soll es denn gehen, wir brauchen dafür Kontakte zu passenden Menschen und ihre Lebensgeschichten. Wir wollen einen guten Film machen und ein guter Film lebt nun mal von echten Geschichten. Und soviel Zeit ist nicht, um Geschichten und Menschen ausfindig zu machen.”

In diesem Moment geschah etwas, das ich aus meiner Kommunikation mit der Natur gut kenne. Voller Dankbarkeit und Freude zeigte sie mir vor meinem geistigen Auge die Protagonisten. Auch, dass dieses Vorhaben aus den Reichen der Natur mit unterstützt werden würde. Alles war bereits vorhanden, man musste nicht erst suchen. “Da bin ich dabei – sagte ich. ” Ich kann euch alles was ihr braucht liefern. Der Film existiert außerdem schon, ihr müsst ihn “nur noch” abdrehen.”

Als Erstes erzählte ich ihr von meiner Bekanntschaft mit den Frauen aus drei verschiedenen Generationen. Ich hatte sie im Jahr zuvor kennengelernt. Es war das erste mal, dass ich nach einer Rosenreise länger im Tal der Rosen blieb. Ich fand es interessant zu sehen, wie sich die Natur nach der Rosenblüte verändert. Auch wollte ich mir die Zeit nehmen mit mir und mit den Orten zu sein, die ich sonst in Begleitung mit meinen Gruppen aufsuche.

Ich hatte mich in ein einfaches Häuschen eingemietet und genoss die Auszeit. An diesen bestimmten Tag erinnere ich mich ganz genau. Er begann damit, dass mich ein Storch bei meinem Morgenspaziergang durch die kräuterreichen Felder begleitete. Zwar schritt er mit seinen langen Beinen in einem sicheren Abstand neben mir, jedoch war es eindeutig, dass er mit mir zusammen lief.

Auf einem der Felder bemerkte ich drei Frauen, die bereits früh um 8.00 Uhr den Boden mit einfachen Geräten bearbeiteten. Da es ein sehr heißer Tag war, konnte ich erst am Nachmittag wieder rausgehen. Es war gegen 17.00 Uhr und die Frauen waren noch immer auf dem Feld. Sie hatten mittlerweile Sonnenhüte aufgesetzt und waren weiterhin fleißig. Ich fragte mich, wie sie es bei dieser Hitze aushielten diese schwere körperliche Arbeit auszuführen. An ihrem kleinen Feld stand ein Pferd und ich blieb bei ihm stehen, während ich aus meinen Augenwinkeln bewundernd die Frauen beobachtete. Die Luft roch kräftig nach Kamille und Schafgabe, die in dieser Gegend ganz besonders oppulent wächst.

Hinter dem Pferd taucht ein junges Mädchen auf. “Ist es dein Pferd” – frage ich. “Darf ich es mal streicheln ?” “Ja” – sagt sie. “Es ist mein Pferd. Und du darfst es gern streicheln. Es ist nicht nur ein sehr liebes Tier. Es hat mir sogar mal das Leben gerettet”. Bitte erzähle es mir – sage ich – wie ist es passiert?

Sie lächelt glücklich, macht ein wichtiges Gesicht und beginnt langsam und ausführlich zu erzählen. Die Menschen hier haben es nicht eilig. Ihre Geschichten und die wunderschöne Natur ist alles was sie haben. Ich erfahre, dass sie mit der Pferdekutsche im Gebirge unterwegs war, als plötzlich das eine Rad von der Kutsche abfiel, das Gefährt dadurch kippte und auf den Abgrund zu steuerte. Nur weil das Pferd mit letzter Kraft den Wagen herumriss, konnte das Schlimmste verhindert werden.

“Und weißt du, dort ist es wirklich sehr steil” – sagte sie – “ich hätte es nicht überlebt.” “Oh ja”- antwortete ich – “Ich kenne diese Gegend. Sie ist wirklich sehr steil. Gut, dass du mit diesem Engel von Pferd unterwegs warst.” Sie strahlt mich an und fragt: Woher kennst du dich eigentlich so gut aus ? Du bist ja nicht von hier. Was führt dich zu uns?” “Meine große Liebe, die Rosen – antworte ich ihr. “Ich komme seit vielen Jahren zur Rosenernte und bringe Mensch und Natur miteinander in Kontakt.” Sie versteht sofort was ich meine und nickt langsam.

Viele Momente später reißt sie die Augen auf und sagt – ” ROSEN!!! Wir haben auch mit Rosen zu tun! Schau, da drüben sind meine Mutter und meine Oma. Und das da ist unser Rosenfeld. Na ja, es dauert noch etwas bis es blüht.” “Drei Jahre” – antworte ich ihr. “Und bis dahin ist noch so viel Arbeit” – sagt sie. “Und wir sind allein. Die Männer in unserer Familie sind leider alle schon sehr früh verstorben. So müssen wir Frauen mit allem allein zurecht kommen. Hast du Lust, dass ich dich mit meiner Mutter und mit meiner Oma bekannt mache? Komm mit!” Freudig stampfen wir zu den beiden erstaunten Frauen und unterwegs dorthin erfahre ich ihren Namen: Katja.

Wow, was für eine tolle Geschichte – sagt meine Telefonpartnerin. Das Leben schreibt doch die besten Geschichten. Das ist genau das, was wir suchen. Wenn wir jetzt noch einen Destillateur auftreiben könnten, der ganzjährig Roma beschäftigt – sagt sie seufzend. Doch das ist wie die Nadel im Heuhaufen zu finden. Mir ist bekannt, dass die Roma eher unregelmäßig angestellt werden und saisonal tätig sind.” “Wir haben so einen Destillateur” – antworte ich. Meinen. Mit dem ich seit vielen Jahren zusammenarbeite. Seine Mitarbeiter sind größtenteils Roma und seit über 18 Jahren bei ihm. Wie mein Destillateur und ich überhaupt zu einander gefunden haben, ist auch eine eigene Geschichte wert. Die erzähle ich an anderer Stelle.

Damit stand es fest, dass es den Film geben würde. Wir mussten nur noch einen passenden Zeitpunkt finden, an dem meine Gruppe noch nicht da ist, damit ich die Regisseurin herumführen und schon mal mit den Menschen bekannt machen kann. Während meiner Rosenreise würde sie dann mit dem Drehteam kommen, um sie in ihrer Umgebung filmen. Außerdem wollte sie gern noch eine bulgarische Pflückerin ausfindig machen, damit die unterschiedlichen Sichtweisen aufgezeigt werden können.

Wir begegneten uns das erste mal persönlich auf dem Flughafen in Berlin Tegel und flogen dann gemeinsam nach Sofia. Susanne und ich verstanden uns auf Anhieb. Ich mochte ihr offenes, unkompliziertes Wesen und sie verstand meinen etwas schrägen Humor. Das was dann folgte war natürlich Arbeit, jedoch hatten wir in jedem Moment Spaß bei dem was wir taten. Von Sofia aus machten wir uns mit dem Mietauto ins Tal der Rosen und besprachen die nächstfolgenden Schritte. Innerhalb von wenigen Tagen musste alles erledigt sein. Ich hatte im Voraus die drei Frauen und meinen Destillateur informiert. Doch zunächst besuchten wir am gleichen Tag den Parfümeur.

Was im Film nicht genannt wird ist, dass er bereits in der achten Klasse zur “Nase” gewählt wurde. Es handelt sich um ein Wettbewerb, bei dem es darum geht Düfte und Aromen zu zu ordnen und zu unterscheiden. Später erfahren wir dann von ihm persönlich, dass er schon immer das machen wollte, was er jetzt tut. Als wir ihn anschauen, müssen wir beide schmunzeln. Die Bezeichnung “Die Nase” passte ausgezeichnet zu ihm.

Sein Betrieb ist klinisch sauber und ähnelt einem Labor. Was dort überall in den Regealen steht sieht so verführerisch aus, dass ich mich wirklich beherrschen muss, nicht alles an zu fassen. Unermüdlich forscht er mit seiner Frau nach neuen Duftkompositionen und lebt seine Leidenschaft – das kreieren von Parfüms. Leichte, schwere, blumige, verspielte, weibliche oder gar neuerdings unisex. Und da wir im Tal der Rosen sind, enthalten sie alle das kostbare Rosenöl. Ja, Rosenöl ist sehr teuer, doch es leistet Unbezahlbares. Die Rose – so erklärt er uns – ist das schlagende Herz einer jeden Duftkomposition.

Erschöpft jedoch sehr zufrieden mit dem Ergebnis des ersten Tages fahren wir in die wunderschöne Unterkunft, in die ich auch mit meinen Rosenreisenden absteige. Erfreut sehe ich, dass Susanne sichtbar erstaunt ist. Soviel guten Geschmack und schöne Einrichtung hatte sie in diesem kleinen, einfachen Ort nicht erwartet. Stolz berichte ich ihr, dass sich meine Teilnehmer so wohl darin fühlen, dass ich manchmal große Mühe habe sie nach draußen zu bewegen. Zu verlockend zum Verweilen ist der schöne Innenhof und die gemütlichen Zimmer mit der phantastischen Aussicht.

Am nächsten Morgen heißt es dann ganz früh aufstehen. Die Rosenernte beginnt gegen 5.30 Uhr. Und heute wollen wir ja “unsere” bulgarische Rosenpflückerin finden. Auf Grund der ungewöhnlich kalten Witterung blüht die Rose noch sehr spärlich und die Rosenernte hat mancherorts noch gar nicht begonnen. Doch über diesem Film strahlt ein Glücksstern. Eines der Rosenfelder, das ich auch mit meinen Teilnehmern aufsuche ist nicht sehr hoch gelegen, sodass es dort etwas wärmer ist. Susanne ist neugierig: Ist die Rose wirklich so außergewöhnlich wie sie es immer von mir hört ? Und ist es wirklich so, dass sie etwas Unerklärliches mit den Menschen macht?

Allein die Fahrt zum Rosenfeld ist ein Gedicht aus bunten Blumen, kristallklarer Luft, Freiheit und Vogelgesang. Das Rosenfeld selbst ist ganz in der Nähe des Gebirges gelegen, umsäumt von feurigen Mohnfeldern, Kamille und Kornblumen. Die bunte Pracht lässt die Seele aufatmen. Dort angekommen, weht uns der mir vertraute Rosenduft entgegen. Ein pinkfarbenes Blütenmeer aus zerzausten, soeben in ganzer Schönheit erwachten Rosen. Wir werden von Biser in Empfang genommen, dem Mann der wegen den Rosen aus Frankreich zurückgekommen ist. “Schaut euch um” – sagt er auf französisch und zu mir gewandt: Du kennst dich ja hier bestens aus. Es dauert keine fünf Minuten und da entdecken wir sie beide gleichzeitig. Radka, die Pflückerin. Noch bevor wir mit ihr gesprochen haben, nicken wir uns wissend zu: Das ist SIE!  Das ist die Frau nach der wir suchen! Doch das darauffolgende Gespräch mit ihr übertraf unsere Erwartungen noch um Vieles. Ich erklärte ihr weshalb wir hier sind und dass wir kurz mit ihr sprechen wollen. Gleichzeitig warne ich Susanne vor – ich bin eine sehr schlechte SprachDolmetscherin. Naturdolmetscherin zu sein liegt mir viel mehr. Das wurde mir in die Wiege gelegt.

Bereits als Radka zu sprechen beginnt, erblüht in meinem Inneren eine Rose. Sehr gelassen erzählt sie uns, dass die Arbeit im Rosenfeld sie vollends erfüllt, weil sie sich hier der Natur nahe fühlt. Sie spricht über ihre tiefe Dankbarkeit zur Erde, die uns ernährt und mit allem versorgt. Und wie sehr sie von der Vielfalt und Schönheit, die sie umgibt fasziniert ist. Und dass sie diese Arbeit gern macht, dass es ihr nicht um das Geld allein geht, sondern um diese Verbundenheit, die sie im Herzen berührt und die sie nicht in Worten ausdrücken kann, weil sie eine ganz einfache Frau ist, wie sie sagt. Ich schaue ihr in die Augen und ich fühle ihre Wahrhaftigkeit. Sie berührt mich so sehr, dass mir die Tränen fließen. Sie dagegen lächelt gütig, weil sie sich verstanden fühlt.

Tatsächlich habe ich noch nie einen Menschen erlebt, der so in Frieden ist wie sie. Einen Menschen, der die Dinge bedingungslos annimmt wie sie sind, einfach als eine Sequenz des Lebens. Da ist keine Anklage, kein Bedauern, einfach nur Annahme. Und ich habe noch nie eine Frau erlebt, die mit ihrem Äußeren rundum so zufrieden ist wie sie.

Nachdem der Film 2017 ausgestrahlt wurde erreichten mich zahlreiche Zuschriften, auch Radka betreffend. Viele waren im Zusammenhang mit dem Film zum Thema “Armut” ins Nachdenken gekommen. Trotzdem diese Frau ein sehr bescheidenes Leben führt, ist sie auf auf einer Weise reicher als einige von von uns. Sie hat ein eigenes Häuschen, das sie je nach Geldlage nach und nach aufbaut. Sie erzählte mir, dass sie bis vor kurzem noch ein Plumpsklo außerhalb des Hause hatte und deshalb nach Deutschland als Erdbeerpflückerin gegangen ist. Damit sie Geld für ein richtiges WC verdient. Dazu besitzt sie etwas, wovon manche von uns nur träumen: eine stabile Familie, Freiheit, Zeit, wilde Natur um sich herum, Haustiere und ein selbst angebautes biologisches Essen.

Indess stimmte mir Susanne zu: Ich bin als Dolmetscherin denkbar ungeeignet. Eine Dolmetscherin weint nämlich nicht bei der Arbeit. Später erfuhr ich von ihr, dass die professionelle Dolmetscherin, die sie für den Filmdreh engagiert hatten auch beim Übersetzen geweint hatte. Gleich doppelt: Als sie den berührenden Geschichten der einfachen Menschen zuhörte und als sie diese ins Deutsche übersetzte.
Ach ja, die Rose.

Doch damit hat unser Herz bewegender Tag gerade erst begonnen. Was als nächstes ansteht ist der Besuch bei meinem lieben Rosenölhersteller. Zum einen damit Susanne den Weg der Rose praktisch erleben und nachvollziehen kann – vom Rosenpflücken bis in die Destillerie – wo der duftende Schatz zu Rosenwasser und Rosenöl weiter verarbeitet wird. Zum anderen damit ich sie mit Alexander, dem Betreiber zusammen bringe. Aus Erfahrung weiß ich, dass der Besuch der Destillerie noch mal ein ganz anderes Dufterlebnis ermöglicht. Das Eintauchen in Nebelschwaden aus Rosenwasser hat bisher jeden tief beeindruckt. Und ich freue mich auf Susannes Reaktion darauf.

Die Zeit der Rosenernte und Rosenölherstellung ist für jeden Destillateur die anstrengendste im Jahr. Der Destillationsprozess dauert 24 Stunden an, an jedem Tag in der Woche, das Druck und Wärmeverhältnis will gut überwacht werden. chste Konzentration in jedem Moment entscheidet über die spätere Qualität des Endproduktes – dem begehrtesten Rosenöl der Welt.

Das Rosenöl von Alexander ist nicht nur von einer auserlesener Güte, er selbst ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit mit einer Ausstrahlung, die jeden in seinen Bann zieht. Was in dem Film nicht erwäht werden konnte ist, dass er nicht einfach nur Rosen und Rosenöl herstellt. Er unterstützt mit viel persönlichem Einsatz ein Projekt in Afghanistan: Rosen statt Opium. Für dieses Werk wurde er 2015 für den Friedensnobelpreis in Oslo nominiert.

An diesem Tag wird er uns zu seinen Roma Mitarbeitern führen. Damit abgeklärt werden kann, ob sie überhaupt mit dem Dreh einverstanden sind und was in dem Falle auf sie zukommt. Zum vereinbarten Termin angekommen, staunen wir nicht schlecht: Das Gespräch findet in ihrem zu Hause statt.

Susanne erklärt mir, dass dies von einer großen Ehrerbietung zeugt. Normalerweise bleiben Roma lieber unter sich. Wir werden nicht nur als Gäste willkommen geheißen, sondern es wird auch großzügig Essen aufgetragen. Der Tisch biegt sich von Tellern mit Kirschen, Waffeln, Salaten, gebratenen Kartoffeln und die landestypischen Kebatschte (Hackfleisch in Würstform). Die Frauen und Kinder huschen zwischen Tisch und Küche hin und her und sind bunt schillernd zurecht gemacht. “Geht ihr später zur Disko?” – scherze ich. Sie lachen laut auf -“Nein, wir gehen zur Hochzeit. Und außerdem – ihr seid doch da.”

Das Treffen verläuft ungezwungen und sehr herzlich. Wir werden behandelt, als würden wir zur Familie gehören und ich freue mich, dass ich endlich mit einigen von Ihnen ins Gespräch komme. Gesehen hatten wir uns ja öfter, allerdings immer bei der Arbeit. Sie bei ihrer, ich mit meinen Teilnehmern. Bei solch einer Gelegenheit erzählt mir die Frau des Gastgebers, dass sie Alexander so sehr lieben, dass sie im Falle er einen Unfall hat, alle sofort Blut spenden würden. Als ich es später Alexander erzähle, blitzen in seinen Augen Tränen auf. Er ist zwar ein guter Geschäftsmann, jedoch eben auch Mensch.

Im Laufe des nächsten Tages suchen wir die Frauen der drei Generationen auf. Sie freuen sich über das überraschende Wiedersehen und erzählen mir überglücklich, dass sie bereits die ersten Rosen auf ihrem Feld pflücken können. Es liegt so viel Begeisterung in ihren Worten, als würden sie von einer Niederkunft berichten. Glückwunsch zur Geburt der Rose, liebe Frauen. Die Mühen haben sich gelohnt.

Dafür brauchte ich eine Weile und viel Überredungskunst, ehe ich sie von der Vertrauenswürdigkeit des Arte Senders überzeugen konnte. Ein TV Team von National Geographic hatte schon mal im Tal der Rosen gedreht und hatte sich wenig respektvoll über die Bewohner geäußert. “Sie haben uns so dargestellt, als wären wir primitive Wilde” – sagt Liljana, die Mutter von Katja. “Für so etwas gebe ich mich und mein Kind nicht her. Was glauben die denn, nur weil wir arm sind, sind wir keine Menschen, oder wie ?” Schließlich sagt sie: Na gut, ich vertraue dir. Und damit meinte sie mich. Welch ein Geschenk.

An diesem Tag geschieht auch etwas sehr Persönliches. Der Rosenfelsen nimmt Kontakt mit mir auf und übermittelt mir folgende Botschaft: Wir werden uns in diesem Jahr während deinen Rosenreisen nicht sehen. Wenn du willst, dass wir uns sehen, komm jetzt.

Der Rosenfelsen hatte bereits vor vielen Jahren damit begonnen mit mir zu kommunizieren. Anfangs war ich ungläubig, wenn er sagte: Komm du zuerst zu mir hoch. Oder: es wird nur eine Person von der ganzen Gruppe mitkommen u.s.w. Doch im Laufe der Zeit durfte ich erkennen, dass jeder seiner Hinweise sich als richtig erwiesen hatte. So ging ich davon aus, dass ich nun eine Wahl treffen musste. Entweder ich verzichte auf den Besuch bei ihm, oder ich erzähle es Susanne und bitte sie darum auf der Rücktour nach Sofia einen Abstecher zu machen.

Nach langem Hin und Her entschied ich es Susanne zu erzählen. Ihre Reaktion war ganz natürlich und so beispielgebend für ihr offenes Wesen. Sie sagte ganz einfach: Ja! Wenn es dir wichtig ist, dann machen wir das. Tatsächlich hat der Rosenfelsen Recht behalten. Es hat sich in diesem Jahr nicht ergeben, dass ich mit meinen Gruppen dorthin fuhr. Die Rose weiß schon was sie tut.

Zu dem im Film dargestellten Rosenfest ist nicht mehr viel zu sagen, die Bilder, die glücklichen Gesichter und die Freude sprechen für sich. Für meine Rosengruppe war es ein einmalig schönes Erlebnis und eine bleibende Erinnerung.

Abschließen möchte ich meine Erzählung mit einem Zitat von Monika J., einer Teilnehmerin, die hautnah mit dabei war:

Ich erinnere mich so gerne an das Fest mit den Pflückern! Alle haben diese Herzlichkeit,Offenheit und Freude gelebt...und Alle haben miteinander getanzt. Der Gastgeber – Alexander hat so verschiedene Kulturen damit aufs herzlichste verbunden! Auch das Filmteam…lauter junge Menschen…war reizend! Bin sehr gespannt auf den Film! Dir a’ festes Druckerle, du warst bereit ihnen das Beste das die Rose zu bieten hat zu zeigen!!!

Wer sich für die Rosenreise interessiert, findet alle Informationen hier:

www.rosenreise.info

Die Termine in diesem Jahr :
18.05.- 25.05.2018
26.05.- 04.06.2018

 

Der Valentinstag

Da ist niemand der mich liebt. Ich fühle mich allein, unwichtig und klein. Dabei ist heute Valentinstag, der Tag der Liebe und der Liebenden. Doch genau der führt dazu, dass ich mich noch ungeliebter, noch einsamer, noch unwichtiger und noch kleiner fühle. Die Wunde meiner letzten Trennung ist noch ganz frisch und sie blutet. An diesem Tag ganz besonders.

Nicht genug, dass ich mich unter Schmerzen getrennt hatte, kurze Zeit darauf verkündete er nun die Frau seines Lebens gefunden zu haben. Es störte ihn dabei keineswegs, dass mir das weh tat, im Gegenteil – er genoss es. In seinen Augen hatte ich ihn mit der Trennung doch auch verletzt. Was die neue Auserwählte am heutigen Tag erwartete wusste ich nur zu gut. Sie würde eine Pizza in Herzform von ihm bekommen und den üblichen Espresso ans Bett.

Und mich verwöhnt heute niemand. Keine Blumen, keine Liebesgesten, kein verliebter Blick. Kein du bist mir wichtig. Nichts. Nicht, dass ich jemals Wert auf Valentinstag gelegt hätte. Doch, wie sagt der italienische Dichter und Philosoph Dante so treffend: Nichts tut mehr weh, als sich im Unglück vergangenen Glücks zu erinnern.

Am Tag der Liebe spürte ich keine Liebe. Nur Ablehnung und unschöne Gedanken. Also beschloss ich zu Hause zu bleiben, um nicht die unzähligen Blumensträuße und Präsente in Herzform in den Händen verliebter Männer zu sehen. Ich versuchte mein Bestes, um den Schmerz in mir zu umgehen, jedoch nichts half. Wozu auch, es war ja sowieso niemand da, vor dem ich es verstecken muss.

Also gab ich mich meinem Elend voll und ganz hin. Ich hätte auch sicher den ganzen Tag zu Hause verbracht, wenn sich nicht irgendwann der Hunger sehr dringlich gemeldet hätte. Passend zu meiner Stimmung hatte ich nichts zu Essen da. Nicht einmal Brot. Und niemanden, den ich darum bitten konnte, den Einkauf für mich zu erledigen. Ich musste also raus, ob ich wollte oder nicht.

Allerdings hatte ich noch meinen Schlafanzug an und überhaupt keine Lust mich für diese halbe Stunde umzuziehen. Unwillig warf ich mir einen Mantel über mein Pygama und ging auf die Straße. Dabei kam mir ein absurder Gedanke in den Sinn : Wenn ich nun vom Auto überfahren werde und in die Notaufnahme muss, ist es ja total peinlich dass ich um diese Uhrzeit einen Schlafanzug anhabe. Geduscht bin ich ja auch noch nicht, stellte ich erschrocken fest.

Draußen angekommen hatte das Gefühl, dass jeder mit dem Finger auf mich zeigte „Da ist sie die Ungeliebte. Die der Liebe Unwürdige. Außerdem hat sie noch ihren Schlafanzug an.“ Ich vermied es die Menschen anzuschauen, am liebsten wäre ich jetzt unsichtbar. Als ich vor dem hell erleuchteten Supermarkt stand zögerte ich hinein zu gehen. Das war mir einfach zu viel Licht, zu viel Trubel. Das passte gerade nicht zu meinem Gemütszustand. Und außerdem konnte man in diesem Licht viel einfacher meine Hosen als Pygamahosen identifizieren als in der Dämmerung.

Ich ging also weiter und steuerte auf die nächste Bäckerei zu. „Ein halbes Roggenbrot bitte“ – sagte ich. “Wenn man allein ist, braucht man ja kein ganzes” – dachte ich. Der junge Mann schaut mich freundlich an und sagt: „Es tut mir leid, unser Roggenbrot ist alle. Soll es denn unbedingt Roggenbrot sein ?“ „Ja“ – nicke ich resigniert. Das passt ja perfekt zu meinem Unglück. Jetzt bekomme ich nicht mal mein Lieblingsbrot. Ich verabschiede mich höflich – der Verkäufer kann ja nichts dafür, dass mich niemand liebt – und drehe mich um, um den Laden zu verlassen.

Als ich gerade die Hand strecke, um die Tür aufzustoßen ruft mir der junge Verkäufer hinterher: Warten Sie bitte, darf es denn auch geschnittenes Roggenbrot sein ? „Ja, natürlich“ – erwiedere ich – „Hauptsache Roggenbrot.“ Etwas in mir beginnt zart zu lächeln, während ich zum Verkaufstresen zurück gehe: Na bitte so schlimm ist es nun auch nicht. Immerhin haben wir nun unser Lieblingsbrot. Der Mann überreicht mir die Tüte mit dem Brot und lächelt dabei wie ein Engel. „Das schenke ich Ihnen“– sagt er dabei. Und als meine Lippen noch ein lautloses „Warum“ formen, fügt er hinzu. „Das ist mein Geschenk an Sie. Immerhin ist heute Valentinstag.“ Während mein Verstand noch immer am „Warum“ hängt, läuft mein Herz gerade über vor Glück.

Ich habe tatsächlich eine Gabe zum Valentinstag bekommen. Und nicht irgendeine. In einem Land, in dem sich jeder Brot leisten kann, bekomme ich eines geschenkt. Ganz liebevoll, von einem Unbekannten, am Valentinstag. Zumal Brot für mich eine ganz besondere Bedeutung hat. Es hat etwas ursprüngliches, zutiefst irdisches und menschliches zugleich. Brot zu verschenken ist schon sehr speziell. Diese ungewöhnliche Geste indess sollte mir im Laufe der Jahre noch einige male begegnen. Dass mir in Momenten in denen ich mit dem Leben hadere, mir völlig unbekannte Menschen Brot schenken.

Die Tüte mit dem kostbarsten Brot der Welt in der Hand, mache ich mich – als eine ganz andere – auf dem Weg nach Hause. Ich fühle mich reich beschenkt, mein Herz pumpt rosa Liebesströme durch meinen Körper. Meine Schritte sind leicht und beschwingt. Mir ist etwas nicht alltägliches widerfahren und ich fühle einen tieferen Sinn dahinter. Ganz so, als hätte das Universum selbst mir zugewunken. Ich habe am Valentinstag Brot von einem Unbekannten geschenkt bekommen.

Die Brottüte schwenkend sehe ich plötzlich einen Mann auf dem Bürgersteig liegen. Ich kenne ihn, es ist Richard, ein Obdachloser. Ich habe ihm im Winter zuvor des Öfteren selbstgemachte Plätzchen gebracht, mich zu ihm gesetzt und ihm zugehört. Als seine Firma bankrott gegangen war, hatte ihn kurz darauf seine Frau verlassen und seit dem lebte er auf der Straße. Doch irgendetwas schien heute mit ihm nicht in Ordnung zu sein.

Er liegt auf dem Bauch und sein Kopf hängt von der Bordsteinkante auf der Straße. Er musste dort dringend weg. An seinem Blick und dem versuchten Lächeln sah ich, dass er mich zwar erkennt, doch nicht in der Lage ist zu reagieren. Richard ist ein großer Mann und es ist unmöglich ihn allein zu bewegen. Die Menschen schauen zu, wie ich mich abmühe ihn auf den Bürgersteig zu zerren und schauen dann gleichmütig wieder weg. Der große hilflose Mann, dessen Kopf auf der Straße hängt und die kleine Frau die versucht ihn von dort weg zu bringen, existieren in ihrer Realität nicht.

Von irgendwo her kommt ein weiterer Obdachloser langsam auf mich zu. Er geht mit einem Rollator und scheint in keiner guten körperlichen Verfassung zu sein. Trotzdem versucht er sich irgendwie nützlich zu machen. Mit der einen Hand stützt er sich am Rollator, mit der anderen freien Hand versucht er mit mir gemeinsam Richard zu bewegen. Was uns beim besten Willen nicht gelingt. Und wie in einer Parallelwelt gehen die Menschen weiterhin an uns vorbei. „ Bitte liebe Menschen – rufe ich verzweifelt in die Menge hinein – ich brauche Hilfe ! Ich schaffe es alleine nicht !“ Die Menschen schauen jedoch stur gerade aus und gehen weiter, als wäre nichts geschehen.

Doch da, ein junger Mann – keine 20 Jahre – löst sich aus der Menschenmenge und kommt in unsere Richtung. Ich schaue ihn dankbar an. „Bitte hilf mir“ – sagte ich – „er ist zu schwer für eine Person allein und sein Kopf muss dringend von der Straße weg.“ Der junge Mann und ich packten Richard, doch es war nicht so einfach einen fast leblosen Körper zu transportieren. Mit vereinten Kräften schafften wir es dann doch irgendwie. Ich bedankte mich bei dem jungen Mann für die Unterstützung und er ging weiter.

Ich schaute mir Richards Kopf genauer an und sah, dass er eine Platzwunde hatte. Er musste dringend zum Arzt. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich ja ohne Handy losgegangen war – denn, wer sollte mich schon am Valentinstag anrufen. Ausgerechnet jetzt. Ich fragte den anderen Obdachlosen, ob er ein Handy hat. Er schien überrascht, dass ich einen Krankenwagen rufen möchte, doch dann lächelte er freundlich. Nein, ein Handy hat er leider nicht.

Somit musste ich zum zweiten mal in die Menschenmasse hineinrufen: „Bitte, hat jemand mal ein Handy dabei, ich möchte einen Krankenwagen rufen.“ Und wieder war es ein junger Mensch, der zu Hilfe kam und mir ganz selbstverständlich seinen Smartphone in die Hand drückte. Dank ihm konnte ich einen Krankenwagen rufen. Ich erklärte knapp worum es geht und wo genau wir uns befinden. Sie sagten, es würde ungefähr eine halbe Stunde dauern, bis sie eintreffen.

Der andere Obdachlose stand die ganze Zeit neben mir, auf seinen Rollator gestützt. Ich sah, dass dieser voll mit Kram war, wahrscheinlich sein ganzes Hab und Gut. „Sie können ruhig schon nach Hause gehen“- sagte er. „Ich bleibe solange hier, bis der Krankenwagen kommt. Sie brauchen nicht in der Kälte zu stehen.“ Tatsächlich wurde es langsam kühl, denn es begann dunkel zu werden. „Nein, kein Problem“ – antworte ich – „Ich warte bis der Krankenwagen“ kommt.

Der Wagen kam tatsächlich pünktlich und das erste was ich von den Sanitätern hörte war „Ach so, ein Obdachloser. Warum haben Sie es denn nicht gleich am Telefon gesagt? Dann hätten wir uns ja gar nicht so beeilen brauchen“ „ Weil er nicht ein Obdachloser, sondern einfach ein Mensch ist“ – sagte ich schlicht und schaute ihnen dabei direkt in die Seele. Für einen kurzen Moment sahen sie so aus, als würden sie dies zum ersten mal hören. Was sie in sich hinein murmelten verstand ich nicht, das „Vielen Dank für Ihre Umsicht“ jedoch kam laut und deutlich.

Als die Türen des Krankenwagens sich schlossen und das Auto anfuhr drehte ich mich um. Der andere Obdachlose stand immer noch da, noch immer an seinem Rollator gestützt. Sein Blick ruhte auf mich und etwas Feierliches lag darin. In seinen Augen lag die tiefe Zufriedenheit eines Dirigenten, der gerade ein gelungenes Konzert zu Ende geführt hatte. Zwischen meinen Herzschlägen mischten sich Tropfen aus süßem Honig. Nun führte er seine rechte Hand zu seinem Herzen und machte eine leichte Verbeugung: „Vielen Dank, Lady“ sagte er dabei. Dann griff er mit seiner freien Hand in seinen Rollator und wie ein Magier zauberte er einen nagelneuen Regenschirm hervor. „Für Sie“ – sagte er – „ Das ist mein Geschenk an Sie zum Valentinstag.“

Die rosa Ströme in meinem Herzen verbanden sich zu einem heftigen Sturm und dieser hob mich empor. Direkt in den Himmel. Ich konnte es nicht fassen, es war das zweite Geschenk an diesem Tag. Dann legte ich ebenso meine rechte Hand auf mein Herz, verbeugte mich in seine Richtung und sagte: Ich danke Ihnen aus ganzem Herzen für dieses Geschenk. Das nehme ich auch sehr gern an, den Regenschirm möchte ich Ihnen jedoch lassen. Ich denke, Sie werden ihn besser gebrauchen können als ich.

Es war Valentinstag und ich hatte die schönsten Liebesgeschenke erhalten, die man sich nur wünschen kann. Geschenke, die man für kein Geld der Welt bekommt.

Die Vorbild Frau

Wir schreiben den 7 Februar. Ich hatte heute Nacht einen ganz besonderen Traum. Mit einem wirklich unerwartetem Ende, das mich selbst im Traum noch lange beschäftigt hat. Doch was mich daraufhin mindestens genauso verblüfft hat war, dass eine Stimme im Traum ganz deutlich zu mir sagte: Schreib alles auf. Behalte diesen Traum nicht für dich. Er ist für die Frauen dieser Welt. Schreib ihn auf und veröffentliche ihn.

 

 

Es ist keine Seltenheit, dass ich träume. Doch es ist selten, dass ich mich so deutlich an einen Traum erinnere, noch seltener, dass dieser über den Tag präsent bleibt. Dieser hier ist es. Er ist so lebendig in mir, dass ich unwillkürlich an eine Frage denken muss, die mir meine Tochter stellte, als sie noch ein kleines Mädchen war: Mama, woher weißt du eigentlich, dass wir am Tage leben und in der Nacht träumen und nicht umgekehrt ?

Ja, woher eigentlich ???

Wirklich motiviert bin ich nicht. Habe heute ganz viele andere Dinge zu tun, dabei geht es mir nicht leicht von der Hand. Es ist ein Tag, an dem ich zu nichts Lust habe, schon gar nicht die Muße zum Schreiben. Doch die Stimme aus meinem Traum ermahnt mich in immer kürzeren Abständen: Setzt dich hin und schreibe alles auf. “Ich kann nicht mal klar denken”  protestiere ich. “Du brauchst dein Denken dafür nicht” antwortet die Stimme. “Schreib einfach”.

Also gut.

Wie so oft im Traum erschien das Geschehen sehr lang und ausführlich. Doch in Wirklichkeit war es sicher nur ein Wimpernschlag der Zeit. Ganz so wie im wahren Leben. Wir erleben etwas, das kein Ende zu nehmen scheint. Es ist voller Ereignisse und Emotionen. Alles scheint ewig anzudauern. Bis zu dem Moment, wenn es vorbei ist. Dann ist es wie ein ferner Traum. Und das nächste Erlebnis legt sich wie eine Patina darauf.

Im Traum geht es um eine Frau, die als die personifizierte, echte Frau gilt. Zudem strahlt sie viel Wärme aus, weshalb sie auf der ganzen Welt geliebt und bewundert wird. Sie ist ganz so wie eine Frau zu sein hat,wenn sie ganz und gar in ihrer Mitte und in ihrem Frau Sein ist.

Menschenmassen kommen zusammen und warten sehnsüchtig darauf sie zu sehen, denn sie ist sehr inspirierend und herzöffnend. Ich beschliesse mich der Menge anzuschließen, denn auch ich möchte wissen, wie man denn ist, wenn man eine echte Frau ist. Wie sieht sie aus, wie benimmt sie sich, was hat sie an, wie wirkt sie auf die Menschen, wie fühlt es sich an in ihrer Gegenwart zu sein, wie weit reicht die Liebe, die aus ihrem Herzen strahlt. Vielleicht kann ich mir etwas von ihr abgucken, etwas lernen und es dann in meinem Leben integrieren.

Ich bin neugierig, denn ich habe noch nie eine echte Frau erlebt. Eine, die ich nachahmen möchte. Eine die mir ein Vorbild ist. Da diese jedoch nicht nur beliebt zu sein, sondern auch eine positive Wirkung auf die Menschen zu haben scheint, möchte ich sie auf jeden Fall auch sehen. Ich will sie ganz genau beobachten und studieren.

Dafür nehme ich eine lange Reise in Kauf, denn gerade ist sie in einem fernen Land. Dort ist es sehr warm und es hat sich bereits eine große Menschenmenge versammelt, die auf ihre Ankunft wartet. Ich versuche ein Plätzchen zu ergattern. Es ist ein Ort an einem Fluss. Es führt ein Holzsteg darüber und drum herum sind Gerüste aufgebaut, auf denen die Menschen teils sitzen, teils stehen. Riesige Trauben von Menschen. Die meisten von ihnen sind Männer. Es ist so voll, dass ich mich langsam frage, wie ich sie denn sehen soll, wenn sie auftaucht. Mit der Zeit werde ich vom Stehen müde. Es sind so unfassbar viele Menschen da und sie alle sind in freudiger Erwartung.

Ich unterhalte mich mit einigen und frage diejenigen die sie schon mal gesehen haben wie sie denn so ist. Sie erzählen mir, dass man sich in ihrer Gegenwart sehr wohl fühlt, dass sie ihnen ein großer Trost ist und dass sie so viel Liebe ausstrahlt, dass sie dadurch selbst gutmütig und sanft werden. Denn die Begegnung mit ihr ist wie ein warmer Sonnenstrahl, er geht mitten ins Herz und bewirkt Veränderungen. Eben eine echte Frau. Deshalb reisen sie ihr auch überall hin hinterher. Dabei seien es keine öffentlichen Auftritte von ihr, sie würde einfach die Welt bereisen und die Menschen mit ihrer Anwesenheit berühren und erfreuen.

Das hört sich ja wirklich großartig an, denke ich. Was für ein Glück dass ich von ihr gehört habe. Sicherlich kann ich viel von ihr lernen und mich inspirieren lassen. Ganz im Gespräch mit den Menschen vertieft habe ich dem Steg, auf dem sie erscheinen soll den Rücken gekehrt, während mein Gesprächspartner ihn im Blickfeld hat. Wir reden und reden und viele Menschen um uns herum mischen sich in das Gespräch mit ein und geben ihrerseits ihre Erlebnisse mit dieser wunderbaren Frau kund. Alle sind durchweg begeistert. Eine tolle Frau, muss man mal erlebt haben.

Doch mitten im Gespräch fängt die Menschenmasse an auseinander zu gehen. Warum geht ihr, frage ich ? Na, sie war doch schon da, hast du sie denn nicht gesehen ? Ich bin maßlos enttäuscht. Nun habe ich mir exra so viel Mühe gemacht und habe sie durch das viele Reden verpasst. Wie unaufmerksam von mir. Wie konnte mir das nur passeren ?

Doch ich gebe nicht auf. Ich reise zu dem nächsten Ort wo sie erwartet wird. Dieses mal ist es ein Land in Lateinamerika. Und wieder begegne ich Menschen, die voller Begeisterung von ihr berichten. Männer und Frauen, denen sie ein Vorbild ist. Alle sind sich einig. So ein warmherziges Wesen, eine echte Vorbild Frau.

Ich lerne ganz viele neue Menschen kennen, höre unzählige Erzählungen, doch nie begegne ich ihr selbst. Was mir auffällt ist, dass sich niemand über ihr Aussehen oder ihr Alter äußert, sosehr ich auch nachfrage. Alle erzählen sie mir, wie sie sich in ihrer Gegenwart fühlen.

Ich bin fest entschlossen ihr zu begegnen. So folge ich unablässig ihren Spuren und reise ihr hinterher. Doch immer wenn ich irgendwo ankomme, ist sie gerade wieder weg. Ich fühle, wie ich langsam in den Selbstvorwurf gehe. Warum gelingt es mir nicht, warum schaffe ich es nicht ? Was mache ich falsch, dass ich sie immer knapp verpasse ? Andere Menschen schaffen es doch sie zu sehen, warum ich nicht ?

So reise und reise ich, bis ich eines Tages ganz ermattet und frustriert bin. Es ist wieder an einem Tag, an dem alle Menschen sie gesehen haben, alle – außer mir. Es ist abends und es ist bereits dunkel. Ich begegne glücklichen Menschen, glücklich, weil sie SIE gesehen haben. Und ich bin schon sehr müde, müde vor Enttäuschungen, müde vom Suchen.

Ich sehe keine andere Wahl mehr, als aufzugeben. Es hat ja keinen Sinn. Und ich drehe um. Drehe den Menschen, die etwas erlebt haben, was mir offensichtlich nicht zu steht, den Rücken zu und gehe. Ich gebe auf. Es ist mir wohl nicht vergönnt sie zu sehen.

In diesem Moment stellt sich eine Gestalt vor mir. Ich kann nicht genau erkennen, ob es ein Mann oder eine Frau ist. Was ich sehe ist, dass ihr Körper ist nicht ganz so dicht wie der bei uns Menschen ist und aus reinem Mondlicht zu bestehen scheint. Sie schaut mich kurz an und sagt direkt in mein Herz hinein:

Du kannst die Vorbildfrau nicht finden, denn sie ist in dir.

So wie in jeder einzelnen Frau dieser Welt.

Geh deinen Weg und lebe dich.

Noch bevor ich mich von der Überraschung erholen kann, ist die Figur auch schon wieder verschwunden. Doch ihre Stimme hallt noch lange in mir nach. Sie wiederholt mehrfach:

Für die Frauen dieser Welt ♥  Schreib ♥

 

Shelly und John

Auch wenn diese Geschichte von einem wahren Wunder handelt, ist es keine Weihnachtsgeschichte im eigentlichen Sinne. Dennoch ist es mir wichtig, dass sie das heutige Datum trägt…denke ich doch jedes Jahr zu Heiligabend mit einem inneren Lächeln daran. Was ich hier erzähle habe ich selbst erlebt. Ich habe dabei nichts ausgeschmückt und mir nichts ausgedacht. Und es hat sich ganz genau so zugetragen. Wort für Wort. Keines davon ist künstlerische Freiheit, oder Phantasie. Obwohl es für das Unsagbare keine Worte gibt. Darum bin ich bin heilfroh, dass ich dabei nicht alleine war. Ich bin mir sicher, das hätte mir sonst niemand geglaubt. Doch lies selbst…

Meine erste Begegnung mit den englisch sprechenden Zwillingen war – nun sagen wir mal – unromantisch. Ich kam gerade von Einkaufen und sah beim Verlassen des Gebäudes die beiden Vagabunden am Ausgang stehen. Es war nicht das erste mal, dass sie dort herumlungerten, ich hatte sie oft an diesem Supermarkt angetroffen. Immer unzertrennlich, immer alkoholisiert und fluchend. Diesmal beobachtete ich, wie Passanten die Störenfriede angriffen und sich eine Schlägerei anbahnte. Die beiden waren natürlich viel zu betrunken, um sich verteidigen zu können. Das erregte meinen Gerechtigkeitssinn und mit den Worten – das ist doch nicht fair ! –  ging ich spontan dazwischen. Und kurzerhand fing ich einen Kinnhaken von demjenigen ab, den ich eigentlich verteidigen wollte. Es schepperte gehörig und ich verstand die Welt gerade nicht. Enttäuscht und mit schmerzendem Kopf ging ich.

Viele Monate später stand ich abends auf der Straße und hoffte sehnlichst auf ein freies Taxi. Ich war – wie so oft – zu spät für eine geschäftliche Verabredung dran und ein Taxi war meine letzte Hoffnung. Damit ich vielleicht wenigtens im „Akademischen Viertel“ bleibe. Ich trug ein taubenblaues Kostüm mit einem Rock, der gerade als züchtig durchging und passend dazu meine taubenblauen Highheels. Unruhig starrte ich in die Dunkelheit und betete dabei zum Taxigott. Während ich mich konzentrierte um das – hoffentlich bald –  heran nahende Auto nicht zu übersehen, bemerkte ich die beiden Gestalten, die sich langsam näherten. Shelly und John. Mit Beuteln beladen und schwankend. Wie immer. Sie kamen auf mich zu, stellten sich neben mich und machten ihre Späße.

Denjenigen, die des Englischen nicht so mächtig sind, wie ich zu diesem Zeitpunkt, möchte ich zum besseren Verständnis der folgenden Unterhaltung erklären, dass im Englischen cab – das Auto ist, cap – Mütze, Kappe.

Einer der beiden fragte: What are you looking for? (dt. Was machst du hier ? ) (Ich warte auf ein Taxi, im englischen cab) I’m waiting for a cap – antwortete ich und stierte dabei weiter beschwörend in die Nacht. Natürlich erkannten sie mich nicht. Sie blödelten weiter – ah, for a cap, to put it on your head? Und er machte eine Handbewegung, als würde er sich etwas auf dem Kopf setzen. Ich hatte also das Wort cab nicht richtig ausgesprochen. No, I’m waiting for a taxi. Ahhh, antwortete er und grinste mich dabei spöttisch an – you wait for a cab.

Wie sollte es auch anders sein, in diesem Moment näherte sich langsam ein Taxi und die beiden fingen wie irre an mit den Armen zu fuchteln. Das Auto hielt und der Fahrer beäugte die beiden, die eindeutig keine normalen Menschen waren, argwöhnisch. Sie waren nun mal Obdachlose und sahen auch so aus. Offensichtlich waren sie heute im Gegensatz zum letzten mal in guter Laune und redeten gleichzeitig auf den Fahrer und auf mich ein. Sie wollten ein Stück mitfahren, sagten sie. Mit einem Taxi waren sie schon lange nicht mehr mitgefahren, erzählten sie provokant. Der Fahrer mussterte sie angewiedert von oben nach unten, verzog das Gesicht und schüttelte mit dem Kopf. Kommt nicht in Frage. Ich stieg ein und sagte, doch, doch, wir nehmen sie mit. Ich kenne die beiden. Kein Problem. Und sagte es ihnen dann auf englisch: Ok, steigt ein. An ihren erstaunten Gesicher sah ich, dass sie damit nun gar nicht gerechnet hatten. Plötzlich waren sie ganz aufgeregt, rafften ihre Tüten und versuchten sich linkisch ins Auto zu setzen. Der eine vorn, neben dem Fahrer, der andere hinten, neben mir. An diesem Tag erfuhr ich ihre Namen – Shelly und John. Eineige Zwillinge. Aus Irland. Ihre Gesichter strahlten, das des Taxifahrers blieb mißtrauisch und unzufrieden. Jedes mal, wenn sein Blick auf die riesigen Tüten in ihren Händen fielen, wurde der Blick noch ein wenig finsterer. Doch Shelly und John waren glücklich wie Kinder. Sie plapperten und schauten staunend in die vorbeihuschenden Nacht.

Wohin fährst du überhaupt – wollten sie wissen. Zum Zoo – antwortete ich. Oh cool, sagten sie dann. Immer noch ganz überrascht darüber, dass aus dem Spaß Ernst geworden war und sie in einem Taxi fuhren. Dann können wir doch tatsächlich mal das Brandenburger Tor sehen. Das wollten wir schon immer. Soll ich euch dort rauslassen –  fragte ich. Ja, das ist eine gute Idee – sagte Shelly. Oder war es doch John ? Sie sahen sich sehr ähnlich. Zumindest äusserlich. Nicht sonderlich gross, schmächtig, mit etwas längeren gelockten Haaren, die noch blond waren, wasserblaue Augen. Ihre Gesichter hatten feine Züge und aus irgendeinem Grund erinnernten mich beide an Könige. Kurz vor dem Brandenburger Tor fragte er dann: Kannst du mir fünf Euro geben? Na, na, nun übertreib mal nicht – sagte ich – ich nehm dich mit dem Taxi mit und geb dir noch Geld. Ach komm, sagte er und legte einen flirtenden Blick auf, sei mal nicht so. Drei Euro gebe ich dir, sagte ich. Und wieder konnte ich an seinem erstaunten Gesichtsausdruck sehen, dass er nicht damit gerechnet hatte, überhaupt etwas zu bekommen. Er hatte „nur so“ gefragt. Als sie ausstiegen, atmete der Taxifahrer deutlich erleichtert auf. Auf ihr freundliches bye bye antwortete er auch nicht. Er war sichtbar durcheinander und begriff nicht, wie so eine feine Frau wie ich solche Freunde haben könnte. Für mich war es eine schöne Begebenheit, hatte ich doch etwas erlebt, womit ich nicht gerechnet hatte, als ich an diesem Abend von zu Hause losging.

Es dauerte einige Monate, bis sich unsere Wege erneut kreuzten. Dieses mal war meine Tochter dabei. Es war ein einem ganz gewöhnlichen Sonntag, kurz nach dem Mittagessen. Wir fuhren mit der Straßenbahn, um eine Freundin zum Kaffee zu besuchen. Die Bahn war recht voll, es waren wohl auch andere Menschen dabei Sonntagsnachmittag Besuche zu machen. Die Straßenbahn hielt und es stiegen einige Menschen ein. Kurz bevor die Türen sich schlossen, erschienen zwei Hände, die sich an der Tür festhielten, sodass diese nicht schließen konnte. Was war los? Warum ging es nicht weiter? Dann sah ich es – es waren Shelly und John, die so betrunken waren, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Shelly hielt sich an den beiden Türflügeln fest und er war unfähig einen Schritt nach vorn zu machen. John schob ihn von hinten. Aber es ging weder vor noch zurück – so betrunken war er. Der Fahrer fluchte – er wollte gern weiterfahren, aber er konnte nicht, da ein Mensch in der Tür hing, die dadurch auch nicht geschlossen werden konnte.

Am hellerltichen Tage so besoffen – hörte ich – was für eine Schande. Abwertende Blicke verfolgten das Geschehen, meine Tochter selbst war über die Trunkenbolde entsetzt. Schmeißt die doch raus – riefen die Fahrgäste. Geht nicht – antwortete der Fahrer – die hängen in der Tür fest. Und es folgte eine erneute Schimpftirade. Irgendwie gelangten die beiden in die Bahn, auf allen Vieren kriechend, aber sie waren drinnen. Und die Straßenbahn konnte weiterfahren. Da kein Platz mehr frei war, stellten sie sich auf die Drehplattform, die die beiden Tramwagen miteinander verbindet. Die Straßenbahn fuhr an und die beiden, die gar kein Gleichgewicht mehr hatten schwankten und torkelten gegen den Rhythmus. Die Menschen in der Bahn schmissen ihnen angeekelte Blicke zu, bedachten sie mit bösen Worten und sicherlich noch böseren Gedanken. Das war doch Abschaum. Ihre Augen waren trübe, ihre Bewegungen unkontrolliert und sie waren einfach nur abstoßend. Meine Tochter rückte näher an mich. Offensichtlich machten ihr die beiden Männer, die gerade wenig Menschliches an sich hatten Angst. Auch sie schaute mit angewiedertem Blick zu ihnen und sagte – die sind aber betrunken. Ja, das sind sie. Aber mach dir keine Sorgen mein Kind. Ich kenne sie. Ruckartig flog ihr Kopf zu mir und sie presste hervor – waaas, solche Menschen kennst du, Mama. Sie verzog das Gesicht und wusste nicht so recht, ob sie mir glauben sollte. Es war doch unmöglich, dass ihre Mutter solche Menschen kannte.

Einen winzigen Moment später ging eine Bewegung durch Shelly. Langsam, ganz langsam hob er die Augen und schaute in die Richtung, aus der über ihn gesprochen wurde. Unsere Blicke begegneten sich. Ich nickte kaum merklich und sagte innerlich, ja, du fühlst richtig, wir kennen uns. Meine Tochter sah diesen langen Blickaustausch und wurde unruhig. Hatte ihre Mutter etwa die Wahrheit gesagt? Ich sah, wie es in Shellys Kopf arbeitete und in seinen Augen flackerte ein kurzes Erkennen auf. Er versuchte in meine Richtung zu gehen, was ihm in seinem Zustand fast unmöglich war. Sein Körper gehorchte ihm nicht. Milimeter für Milimeter bewegte er sich vorwärts, bis es irgendwann auch die anderen Gäste bemerkten. Es entstand Aufregung und ich nahm wahr, dass einige meinten aufspringen zu müssen, um uns dieses Scheusal vom Hals zu halten und uns zu beschützen. Doch natürlich tat es niemand. Irgendwann stand Shelly vor uns und meine Tochter hielt den Atem an. So ein eklicher Kerl, betrunken, schmutzig, abstoßend. Jetzt schaute er mir direkt in den Augen und versuchte sich zu konzentrieren. Ich grinste ihn freundlich an – yes, we know us.

Es war ihm deutlich an zu sehen wie sehr er sich anstrengte, doch dann nickte er ganz langsam und bedacht. You?  Sagte er erfreut. ” Ja” – antwortete ich. Ebenso erfreut.

Dann geschah es

Zu aller erst verwandelten sich seine Augen. Aus dem unlebendigen, schmutzigen grau wurden zwei strahlend blaue Sterne, die voller Liebe, Klarheit und Achtung auf mich blickten. Dann straffte sich sein Körper und nichts erinnerte mehr daran, dass er vor wenigen Minuten noch ein Betrunkener war. Ein zartes Leuchten ging von seiner Gesichtshaut aus und er schaute nach links zu meiner Tochter, um mir dann erneut mit seinem liebevollen Blick in die Augen zu schauen. “But tell me, who is thats beauty on your site?” (dt. Sage mir, wer ist diese Schönheit neben dir?) “Das ist meine Tochter” – antwortete ich stolz. Als er seine Hände hob, sah ich aus den Augenwinkeln wie einige Männer aufsprangen, doch was dann kam, ließ sie auf ihren Plätzen verharren. Er hielt seine Hände segnend über unsere Köpfe und eine unglaubliche Liebe strahlte aus ihm aus. Er schaute uns mit gütigen Augen an und sagte  –
I LOVE YOU. Er sprach mit der Würde, mit der man eine mächtige Zauberformel ausspricht. Dabei sah er wie ein Heiliger aus und sein I LOVE YOU ließ keinen Zweifel daran, dass er Menschenliebe damit meinte. Und dass diese aus tiefstem Herzen kam. Er wiederholte es noch zwei weitere male. Dann bekam er die unwissenden Augen eines Trunkenbolds, sackte in sich zusammen und schwankte zu seinem Platz zurück.

In diesem Moment schickte die Nachmittagssonne einen satten, goldenen Strahl in die Bahn und erhellte sie. Wie nach der Kinovorstellung, wenn nach einem unerwarteten Filmende die Scheinwerfer an gehen. Die Zuschauer blinzelten und in ihren Augen sah ich Unverständnis und Überraschung . Sie konnten das eben Erlebte nicht einordnen. Keiner sprach ein Wort. Ich war ebenso sehr überrascht, spürte mich jedoch gleichzeitig von einer übermenschlichen Liebe und Kraft umhüllt, die mein Herz wärmte. Die Straßenbahn hielt und es war die Haltestelle an der wir aussteigen mussten. Wir standen auf dem Bürgersteig und sahen noch ein mal zur Straßenbahn hin. Die Gesichter der Menschen waren uns noch immer zugewandt und sie waren noch immer sprachlos. Meine weise Tochter hatte längst verstanden. “So etwas habe ich ja noch nie erlebt” sagte sie. „Der war ja total lieb zu uns. Mama, das ist ja wirklich ein sehr guter Freund. Ich glaube, von jetzt an, habe ich eine ganz andere Meinung über Obdachlose und Alkoholiker.“

Es sollten einige Jahre vergehen, bis wir uns wieder begegneten. Es war der 24. Dezember und ich hatte meine Einkäufe längst erledigt. Ich hasste es auf den letzten Drücker Besorgungen zu machen und mir das heilige Gefühl, das ich an diesem Tag empfand von Hecktick vermiesen zu lassen. Wie an jedem Heiligabend wollte ich einen Wunschbrot backen. Es ist eine Tradition, die aus meiner Heimat Bulgarien stammt. In einem flachen, runden Brot werden kleine Zettel mit Wünschen, sowie ein Geldstück gesteckt. Wer das Geldstück bekam hatte im nächsten Jahr das Glück. Alles hatte ich bereits zu Hause – bis auf das Natron, das hatte ich vergessen. Also, mußte ich doch noch ein mal los. Ich zog meinen langen schwarzen Mantel an, band meinen feinen indischen Schal um und ging zur Markthalle. Während ich in dem nahezu leeren Regal nach bitte, bitte noch ein Tütchen Natron suchte, hörte ich ein herausforderndes original irisches „Hello“. Da niemand antwortete, nochmals lauter „Hello“. Ich sah entsetzte Gesichter und angeekelte Grimassen. Für mich war es ein Grund  auf den Gang heraus zu treten, um nach zu schauen. Denn innerlich hoffte ich …das könnte doch …Er schimpfte weiter. “Any body here, who can give me fucking 47 cent?” (Ist hier jemand, der mir verfi….47 cent geben kann?)

Ja, es war Shelly. Aber ich war über die Veränderung in seinem Gesicht erschrocken. Er war um Jahre gealtert, stark ergraut und hatte keine Vorderzähne mehr. Der Alkohol hatte deutliche Zeichen hinterlassen. Seine Kleidung war schäbig und sein Körper ausgemergelt. Von Weitem rief ich laut – Hello. Ruckartig drehte er sich um und suchte überrascht nach der Person, die seinen nicht ernst gemeinten Gruß erwiderte. Die Menschen um mich herum beäugten mich mißtrauisch und blieben vorsichtshalber in Deckung. Ist die verrückt? So sieht sie ja gar nicht aus. Doch er erkannte mich und ein Lächeln erhellte sein Gesicht. Er freute sich und war gleichzeitig verlegen. “You?” Ich nickte. “You look so beautyful – like always.  And me, I’m drank”  und ich antwortete liebevoll ” like always.” Wir lachten beide. Er trat einen Schritt zurück und schaute mich bewundernd an. Dann kam er erneut auf mich zu und berührte meinen Schal. Und wie so oft sah ich entsetzte Gesichter und Unverständnis um uns herum. Was für ein ungleiches Paar!  “Do you know the movie Dr. Shivago?” fragte er. “Yes, I do” – anwortete ich. “Du siehst aus, wie die Hauptdarstellerin, so fein und so elegant. Wie eine Königin.” Erstaunlicherweise fühlte ich mich in diesem Moment auch wie eine Königin und spürte seine tiefe Hochachtung zu mir. Und Liebe zwischen uns beiden. Ganz so, als kennen wir uns aus einer vergangenen Zeit. Eine Zeit in der wir beide auf einem Thron sassen. Traurig sagte er – “und ich, ich seh schrecklich aus.” ” Nein, tust du nicht” sagte ich. “Du siehst aus wie immer. Und außerdem, weißt du nicht, was heute für ein Tag ist?” Ich sah Hoffnung in seinen Augen, als er mich anschaute. “Heute ist Heilig Abend” sagte ich. “Ja, ich weiß sagte er. Und ich kann mir nicht mal ein Bier kaufen. Niemand ist bereit mir 47 cent zu schenken.” ” Doch” sagte ich “ich gebe sie dir.” Er wurde verlegen. “Nein lass, von dir möchte ich kein Geld.” “Ach komm sagte ich, es ist doch Weihnachten.” Ja, ja” sagte er. “Aber was soll daran schon besonders sein.”

“Weißt du denn nicht ” sagte ich “Dieses Weihnachten ist ein ganz besonderes Weihnachten, alles was du dir wünscht wir dir erfüllt.”  Jetzt endlich strahlte er und sein Gesicht bekam etwas Kindliches. “Meinst du wirklich?” “Aber ja” sagte ich “ich weiß es ganz genau. Make a wish! ” Und er wiederholte “a wish!”

Ich habe seitdem Shelly nie wieder gesehen. Ich hoffe alle seine Wünsche sind ihm erfüllt worden.

Ich bin in meinem Leben vielen, vielen Engeln begegnet. Einige von Ihnen waren als Obdachlose, Bettler oder  Behinderte getarnt. Doch ich habe sie trotz ihrer Verleidung alle erkannt. An ihren Augen und an dem Unsagbaren…

Die Bestie

Das ist eine wahre Geschichte, die ich selbst erlebt habe. Sie handelt diesmal nicht vom Wasser. Jedenfalls nicht auf dem ersten Blick. Doch irgendwie ist das Wasser schon anwesend, denn auch hierbei geht es um das sich Hin-Geben. Und was dadurch entstehen kann. Das Leben will uns mit Erfahrung und Weisheit beschenken. Damit wir es einfacher haben. Dafür kommuniziert es in Bildern und Symbolen mit uns. Es liegt an unserer Bereitschaft hinter den Kulissen jeder Situation zu schauen, um die Botschaft darin zu entdecken. Ich gebe zu, es fällt nicht immer leicht. Es lohnt sich jedoch in jedem Fall mal die Sicht zu wechseln und es völlig anders zu betrachten. Und ich möchte dich mit dieser Geschichte vom Herzen darin ermutigen. Probiere es beim nächsten mal aus und erfreue dich an der neuen Erfahrung ♥

Meine heute sehr innige Beziehung mit den wunderbaren Hundewesen begann änhlich widersprüchlich wie die mit dem Wasser. Ich war ein kleines Mädchen, vielleicht gerade sieben Jahre alt und auf meinen üblichen Streifzügen durch meine Heimatstadt Sofia. Es war die schönste Zeit des Jahres – es waren Sommerferien. Nebenbei gesagt dauern die Sommerferien in Bulgarien ganze drei Monate lang. Herrlich! Ich hatte keine Freunde und war dadurch meist allein unterwegs. Zum besseren Verständnis der Geschichte möchte ich anfügen, dass es keinesfalls so war, dass ich keine Freunde haben wollte. Ich hatte einfach keine und fand auch nirgendwo Anschluss. Meine Ansichten und die Dinge, an denen ich mich erfreute, wichen schon damals etwas von der allgemeinen Norm ab. So hatte ich mich daran gewöht meine eigenen Wege zu gehen. Ich liebte es Menschen und die Farben des Lebens zu beobachten, planlos die Stadt abzulaufen, dabei neue Orte zu entdecken und mich dabei frei zu fühlen. Bei solch einem Streifzug heftete sich ein grosser Hund an meine Fersen.

Ich sehe das Bild noch heute vor meinen Augen – es war ein riesiger, herrenloser, altdeutscher Schäferhund. In Bulgarien gab und gibt es noch immer herrenlose Hunde. Vor allem grosse. Denn es sind die grossen Hunde, die am meisten Kosten und Mühe verursachten. Sei es an Futter, Platz oder Zuwendung. Also wurden sie einfach auf die Strasse gejagt, sobald sie keine niedlichen Welpen mehr waren und unbequem wurden. Es kam vor, dass sich die Hunde dann zu Rudel zusammenschlossen und wieder wild wurden. Obwohl ich Tiere immer sehr geliebt habe, hatte ich Angst vor grossen Hunden, grosse Angst sogar. Und vor diesem ganz besonders. Er sah furchteinflösend aus und es war eindeutig, dass er es auf mich abgesehen hatte. So wie er mich anschautete. Und es war weit und breit niemand in der Nähe, den ich um Hilfe bitten konnte.

Während der Sommerferien sind die Strassen allerorts wie leergefegt. Also versuchte ich unauffällig die Flucht zu ergreifen und begann schneller zu gehen. Doch er holte auf. Ich hatte schreckliche Angst und mein Herz klopfte wie wild. In meiner Not stürmte ich in das Gebäude, das mir amnächsten war. Ich würde irgendwo klingeln und um Hilfe bitten. Dies war jedoch kein Wohnhaus, sondern ein Amt. Ich lief die Treppen hinauf, doch das Ungeheuer von Hund folgte mir. Ich bog links durch die Glastür in den Gang ein und versuchte die erstbeste Tür zu öffnen. Doch leider war diese verschlossen. Ich versuchte es an der nächstfolgenden, doch auch diese öffnete sich nicht. Voller Panik drückte ich Klinke für Klinke an jeder Tür, doch alle waren sie verschlossen. Ich hatte wohl die Mittagspause erwischt. Irgendwann kam ich an die letzte Tür, die ebenso geschlossen blieb. Der Gang war hiermit zu Ende, es kam nur noch die Wand. Und der Hund hatte aufgeholt und war mir schon ganz nahe.

Voller Angst stellte ich mich mit dem Rücken an die Wand und hoffte, es würde sich eine unsichtbare Tür hinter mir öffnen oder doch noch ein Erwachsener auftauchen. Doch leider war ich ganz allein und dieser Bestie von Hund ausgeliefert. Im nächsten Moment nahm er Anlauf, rannte auf mich zu und sprang mich an. Auf den Hinterbeinen aufgerichtet sah er noch viel grösser aus. Ich sah nur noch seinen Bauch vor mir und kniff die Augen zusammen, weil ich diesen Schrecken nicht mehr ertrug. Meine Atmung setzte aus und ich war auf das Schlimmste gefasst.

Doch was dann geschah, veränderte mein ganzes Leben und mein Verhältnis zu Hunden. Er legte seine Pfoten auf meine Schulter….und begann freudig mein Gesicht ab zu lecken. Er war überglücklich und ich verstand ganz genau was er mir zu sagen versuchte – er war einsam und er suchte einen Freund, einen Gefährten. Ich streichelte seinen riesigen Körper, er wedelte freudig mit dem Schwanz und schaute mich aus treuen Augen an. “Sag, was ich für dich tun soll „ schien er mir zu sagen. “Komm mit, wir spielen zusammen „ sprudelte es aus mir heraus. Und er folgte mir in einer Ergebenheit, wie nur Hunde sie haben.

Ich verlies das Gebäude mit dem Hund an meiner Seite und war eine andere als die, die reingegangen war. Ich war in Gespräch mit einem Lebewesen, ohne mit ihm zu sprechen. Das hat mein Herz zutiefst berührt und mit grosser Freude erfüllt. Dieses Gefühl der Freude ist etwas, woran ich bis zum heutigen Tag erkenne, wenn ein wortloser Austausch mit einem Naturwesen erfolgt.

Als wir am Ausgang waren, kamen uns einige Beamte entgegen, die nun den Weg in ihre Büros nahmen. Doch ich brauchte sie nicht mehr. Ich ging mit dem Hund auf dem gegenüberliegenden Spielplatz, setzte ihn in eine Schaukel und mich auf die andere Seite. Damit sein riesiger Körper auf die Sitzfläche passte musste er sich richtig einquetschen. Er lies sich jedoch alles gefallen und schaute mich dabei noch dankbar an. Noch heute erinnere ich mich an das unendliche Glücksgefühl, das wir beide dabei empfanden. Und an die überraschten Blicke der Passanten, die vorbei kamen. So etwas hatten sie noch nicht gesehen – ein riesiger Hund und ein kleines Mädchen schaukelten gemeinsam und freuten sich dabei.

Dieses Tierwesen ermöglichte  mir eine ganz besondere Erfahrung und sie war der Beginn für viele weitere berührende Begegnungen mit Hunden. Die teilweise an Wunder grenzten.

Das symbolhafte der Situation selbst hingegen – dass erst meine völlige Hingabe an das was ist den Dingen eine ganz andere Richtung verlieh – begegnete mir im Leben noch unzählige male. Und es dauerte eine Ewigkeit bis ich es verstand, dass es in den meisten Fällen lohnenswerter ist sich dem Fluss des Lebens hinzugeben, anstatt sich im „dagegen Kämpfen“ zu versteifen. Und noch einmal so lange bis ich es tatsächlich wagte. Mich hin zu geben und ganz und gar dem was ist in tiefem Vertrauen an das Leben zu überlassen. Das war der Moment, in dem das das Wasser begann sich mir zu offenbaren. Doch dies ist eine andere Geschichte…

 

 

 

 

Wassergedanken

In diesem Jahr bin ich endlich dem Ruf des Wasserwesens gefolgt, das mich seit längerer Zeit auffordert mich näher mit ihm zu beschäftigen. Dadurch habe ich mich auf ein Abenteuer begeben, das noch immer andauert und dessen Sinn sich tröpfchenweise vor mir entfaltet. Damit der Anfang des Weges sich mir überhaupt offenbaren konnte, musste ich zunächst in meine eigenen Tiefen hinabsteigen. Was dann erfolgte war so ungewöhnlich wie wundervoll und es hat unendlich viele Erkenntnisse und Botschaften eingebracht, sodass ich kaum mit dem Schreiben hinterher komme. Heute kam eine zum Thema Weiblichkeit, die durchaus nicht nur auf Frauen zutrifft. Ich hatte noch nicht vor den Text zu veröffentlichen, bevor alles sortiert ist. Doch hat mich eine ganz liebe Freundin ausdrücklich darum gebeten. Sie meinte, sie habe durch die Worte darin auf eine besondere Weise Heilung erfahren. Wohlan !!! Es ist aus meinem Herzen geschrieben, In tiefer Liebe zu dir du wunderbares Wesen.
Mögest du Mann oder Frau sein  ♥Ekaterina El Batal ♥

Immer wieder erlebe ich es in letzter Zeit, dass von Weiblichkeit gesprochen wird. Insbesondere von Frauen. Gern werden in diesem Zusammenhang Begriffe wie Göttin, Urweiblichkeit, Lilith, wilde Frau, Königin verwendet. Ich kann darin eine sehr grosse Sehnsucht wahrnehmen, die ich durchaus selbst teile.

Wer will es nicht – in der eigenen Kraft ruhen und sich aus ihr heraus ein Leben erschaffen, das nur noch vor Freude, Fülle, Gelassenheit und Liebe auf allen Ebenen strotzt. Ein Leben in der eigenen Würde und Selbstkenntnis. Allerdings wenn man hinterfragt, stellt sich heraus, dass zur Weiblichkeit wenig Vorstellung existiert. Es ist ein Wunsch, wie ein feststehender Titel, ganz so als wüsste das Universum schon, was damit gemeint ist.

Doch, was bedeutet es überhaupt in seiner Weiblichkeit zu sein? Der weibliche Körper und das Geschlecht allein scheinen hier als Kriterium nicht zu genügen. Es ist wohl eher eine Empfindung, ein Zustand, ein Gefühl. Doch welches ??? Worin unterscheidet sich das Weibliche vom Männlichen und was macht das echte Weibliche aus ? Das Weibliche ist im Yin Yang Zeichen der Dunkle Pol, das Schwarze Teil. Auch gern das Negative bezeichnet, wobei es sich hierbei nicht um eine Wertung handelt, sondern lediglich um das Gegenteil von Positiv.

Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, Dunkelheit ist etwas, das uns Menschen sehr schreckt. Erst recht wenn es um die eigene Dunkelheit geht. Die Dunkelheit in die wir alle unliebsamen Gefühle, Gedanken, Ängste oder Situationen verbannen an die wir uns nicht gern erinnern. Der tiefe Brunnen, in dem wir im Vorbeigehen alles hinein schmeissen, das wir nie wieder sehen wollen. Bestenfalls hören wir es in dem brakigen Wasser plumpsen, mehr auch nicht. Und dann ist es schon wieder vergessen. Hoffentlich!

Das Wasser selbst steht symbolisch ebenso für die Weiblichkeit. Es ist nämlich das einzige der Elemente, das erschaffen kann. Das können wir u.a. daran beobachten, das jedes Leben auf der Erde in oder durch Wasser entsteht. Und in der Dunkelheit. Die Pflanzen in der dunklen Erde, Tiere und Menschen in der Dunkelheit der Gebärmutter. Dabei ist das Neue Leben nicht vorhersehbar, es ist nicht planbar, es bleibt so lange im Verborgenen, bis es „Das Licht der Welt“ erblickt. Erst dann wird die neue Schöpfung für alle sicht- und anfassbar. Dies ist ein höchst weiblicher Prozess, der sich auf alle Bereiche unseres Lebens anwenden lässt.

Doch selbst als Frau geben wir uns dem nur sehr zögerlich hin. Er ist nämlich nicht kontrollierbar und entsteht teilweise völlig ohne unser Zutun. Dabei geht es darum bedingungslos zu vertrauen, sich bedingungslos hinzugeben und Geduld zu haben. Mal ehrlich, welche dieser Eigenschaften haben wir antrainiert und gelernt bekommen ? Hat man uns nicht eher das Gegenteil beigebracht ? Wie sehr vertrauen wir dem Fluss des Lebens wirklich und sind bereit jeden Ein-Fluss völlig aufzugeben ? Und dann frage dich – wie sehr bin ich von der Göttin in mir entfernt ? Wobei ich nicht glaube, dass wir erst eine Göttin werden müssen, sondern dass wir uns lediglich darüber bewusst werden dürfen, durch welche Eigenschaften die Weiblichkeit charakterisiert wird und wir diese dann mit unserer Absicht stärken.

Wie immer finden wir hierzu Gleichnisse in der Natur. Die Erde empfängt das Korn, lässt es in sich reifen und wenn die Zeit reif ist, entsteht daraus der Keimling, der sich durch die Dunkelheit windet und ins Licht, in die neue Welt geht. Doch, damit das neue Leben enstehen kann, setzt es voraus, dass die Erde – das Weiblichste aller Weiblichen bereit ist zu empfangen, an zu nehmen. Und dann frage dich einmal selbst, wie es bei dir um das Annehmen bestellt ist.

Nimmst du bereitwillig an, was das Leben dir bietet, oder fragst du vorher noch mal nach, ob es vielleicht etwas Besseres gibt ? Oder ob es möglicherweise eine Falle ist und du misstrauisch sein musst ? Oder ob du die Annahme nicht sofort mit einer Abgabe honorieren musst ? Oder gleich die Annahme verweigerst, weil … Gründe gibt es hier sicher viele. Du kannst selbst schauen welche auf dich zutreffen. Das kannst du mit dir ganz alleine klären, es hört dir ja niemand zu. Aber es wird dir helfen dir näher zu kommen und mehr über dich selbst zu erfahren. Und darüber wie oft wir die Geschenke des Lebens aus falsch verstandener Demut verweigern. Der kleine Prinz sagt hierzu: Die Demut des Herzens bedeutet nicht, dass du dich demütigen, sondern dass du dich öffnen sollst.

Öffne dich und erblühe – die Welt wartet auf deinen Duft.